Zum Hauptinhalt springen

Den Opfern gedenken, die Täter benennen

DIE LINKE. Passau bekräftigt ihre Forderung nach einer Umbenennung der Max-Matheis-Straße.

In der PNP erschien am 07. November 2019 eine Stellungnahme des Sprachwissenschaftlers Dr. Frederik Weinert zum Engagement für eine Umbenennung der Max-Matheis-Straße. Weinert zieht in seinem abstrusen Plädoyer unbegründete Schlussfolgerungen, stellt Tatsachen falsch dar und nimmt eine gefährliche Umdeutung historischer Zusammenhänge vor.

Dr. Weinert stellt zwar richtigerweise fest, dass Matheis sowohl die Ehrenbürgerwürde als auch die Benennung einer Straße nach ihm im Jahr 1967 zuteilwurden. Warum es nun weniger verwerflich sein soll, dass der Nazi-Dichter erst in der Nachkriegszeit mit Ruhm und Ehre überhäuft wurde, sagt Weinert nicht. Ein Argument gegen die Umbenennung ist es nicht, vielmehr wirft der zeitliche Rahmen ein bezeichnendes Licht auf die personellen Kontinuitäten in der Nachkriegsgesellschaft der BRD: Nazis wurden nicht nur integriert, sondern darüber hinaus noch mit Ehrungen bedacht. Bei Matheis nahm dies eine besondere Dimension an: bereits zu seinen Lebzeiten wurde eine Straße nach ihm benannt – ein gänzlich ungewöhnlicher Vorgang und eine besondere Ehrung für den überzeugten Nazi, wie Dr. Hans Göttler, Germanistik-Dozent und profilierter Kenner der Materie, bestätigt.  Matheis als „Anhänger des Nationalsozialismus“ zu bezeichnen, wie es Weinert tut, ist eine verfälschende Untertreibung. Matheis war Mitglied der NSDAP und zahlreicher NS-Organisationen, nahm als Offizier unter anderem am Überfall auf Polen teil und schrieb NS-Lyrik.

Hierzu Martin Ascher, Historiker und Stadtratskandidat der Partei Die Linke. Passau:

„Dass über 70 Jahre nach der Niederlage Nazi-Deutschlands immer noch Straßen nach Tätern benannt sind, ist ein unerträglicher Zustand und eine Verhöhnung der Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. Straßennamen zählen zum öffentlichen Raum und beeinflussen das Alltagsbewusstsein. Sie geben Richtung und Orientierung sowohl im geografischen als auch im ideellen Sinne und spiegeln das Selbstverständnis einer Stadt wider. Wir von der Linken Passau fordern deshalb, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und die Straße endlich umzubenennen.

Aufgabe einer städtischen Geschichts- und Gedenkpolitik muss es sein, Aufklärungsarbeit zu leisten. Den Opfern soll gedacht werden, die Profiteure und Täter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft müssen auch als solche benannt werden. Nur wenn wir uns mit der Vergangenheit auseinandersetzen lernen wir wie wichtig es ist, sich in der Gegenwart für Demokratie und gegen Faschismus zu engagieren.“

Eine für Martin Ascher unhaltbare Aussage ist außerdem die Betitelung der Max-Matheis-Straße als Stolperstein:

„Stolpersteine gibt es in Passau bereits. Sie wurden 2015 an drei Orten in der Stadt zum Gedenken an jüdischer Opfer des Faschismus verlegt. Eine nach einem Nazi-Dichter benannte Straße im selben Atemzug zu nennen ist eine gefährliche Umdeutung der Geschichte, die die Grenze zwischen Täter und Opfer verwischt. Ich empfehle Herrn Weinert dringend, die Stolpersteine Passaus aufzusuchen und sich mit den Hintergründen dieses Gedenkprojekts vertraut zu machen.“

Dass schließlich der Straßenname in weiten Teilen der Bevölkerung keinen Anstoß errege ist eine unbelegte Behauptung Weinerts. Selbst wenn dies der Fall wäre, ergäbe sich daraus doch nur der Handlungsauftrag, die Aufklärungsarbeit zu leisten, die in den vergangenen Jahrzehnten nicht stattgefunden hat. Belege, dass Matheis ein überzeugter Nazi war, gibt es genug. Hiervon zeugen die zum Teil erst in jüngster Zeit erschienenen Publikationen von Dr. Hans Göttler. Seinen Worten kann man sich nur anschließen: „Wann fällt endlich dieser unsägliche Straßenname?“