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Zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25.11.2020: DIE LINKE fordert Gesamtkonzept für Frauenhilfe

Zum „Internationen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ am 25.11.2020 fordert DIE LINKE ein ganzheitliches Konzept für die Frauenhilfe in Passau.

Dazu Regina Ertl, Kreisvorsitzende der Passauer LINKEN: „Es braucht dringend ein Gesamtkonzept, denn es kann nicht sein, dass die einzelnen Vereine und Organisationen als Bittsteller auftreten müssen, nur weil man sich davor windet, endlich in Anerkenntnis der real existierenden Probleme zielgerichtete und nachhaltige Maßnahmen zu ergreifen.“

Ertl weiter: „267 Frauen sind im letzten Jahr in Deutschland getötet worden, etliche von ihnen aufgrund ihres Geschlechts. Diese Femizide sind das schreckliche Ergebnis von gesellschaftlichen Strukturen, in denen Frauen abgewertet werden Es ist davon auszugehen, dass von den 267 getöteten Frauen des letzten Jahres der größte Anteil von Männern begangen wurde, die die Frauen umgebracht haben, weil sie Frauen sind. Das ist in der Regel bei sogenannten Beziehungstötungen oder auch bei Sexualmorden der Fall. Wir müssen hierzulande die strukturelle Dimension solcher Taten erkennen. Femizide sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck von ungleichen Machtverhältnissen, die bis heute bestehen.“

In ihrer Forderung nach einer Stärkung der Frauenhilfe sieht sich DIE LINKE auch durch eine im Juni 2020 unter anderem im Deutschen Ärzteblatt veröffentliche Studie bestärkt, wonach wissenschaftlich erwiesen ist, dass während des Lockdows die Gewalt gegen Frauen deutlich zugenommen hat. Die repräsentative Studie der Technischen Universität München in Zusammenarbeit mit dem RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung habe ergeben, dass während der Kontaktbeschränkungen im Frühjahr drei Prozent der Studienteilnehmerinnen angaben, Opfer körperlicher Gewalt geworden zu sein. Zudem seien 3,6 Prozent der Frauen von ihrem Partner vergewaltigt worden und 5,6 Prozent der Frauen gaben an, von körperlicher Gewalt betroffenen gewesen zu sein, wenn ihr Partner aufgrund der Pandemie in Kurzarbeit war oder den Arbeitsplatz verloren hatte.

„Das sind alarmierende Zahlen, und Passau ist mit Sicherheit keine Insel der Seligen, die völlig abgekoppelt von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen ist. Gerade aufgrund der Pandemie haben die Vereine und Organisationen der Frauenhilfe vielfach einerseits mit einem finanziellen Mehraufwand und andererseits mit Finanzeinbußen zu kämpfen. Daher besteht nun dringender Handlungsbedarf, damit die Angebote, die gerade in der Krise von Frauen noch einmal in besonderem Maße benötigt werden, auch langfristig aufrecht erhalten oder sogar noch ausgebaut werden können“, so Co-Kreisvorsitzender Dennis Neubert. Er verweist darauf, dass mit der geplanten Erweiterung des Frauenhauses zwar ein wichtiger Schritt gemacht werde, allerdings reiche dies bei Weitem nicht aus. „Wenn betroffene Frauen ins Frauenhaus gehen müssen, haben sie bereits ein Martyrium durchlebt, doch dann ist es im Grunde schon zu spät. Daher muss schon viel früher angesetzt und Hilfsangebote bereitgestellt sowie die bestehenden Angebote finanziell besser ausgestattet werden. Für uns ist daher klar: Es braucht für die Frauenhilfe ein fraktionsübergreifendes Gesamtkonzept, das von einer barrierefreien und zuverlässigen Gesundheitsversorgung bis hin zu Gewaltprävention reicht“, so der LINKEN-Politiker abschließend.