Entscheidung des Kulturausschusses zu Straßennamen: DIE LINKE bezeichnet Umgang mit der Causa Matheis und Watzlik als „folgenreichen Fehler“

Zum Beschluss des Kulturausschusses vom Donnerstag (09.12.2021) in der Causa Matheis und Watzlik erklärt der LINKEN-Kreisvorsitzende Dennis Neubert: „Der überraschend eingebrachte Antrag von SPD, CSU, FDP und FWG, während noch alle darauf gewartet haben, dass der vor Monaten angekündigte Expertenrat eingesetzt wird, könnte bei den Bürgern den Eindruck erwecken, dass man bislang nur auf Zeit gespielt hat, um nun den Zeitfaktor als Grund dafür zu bemühen, das Gremium endgültig zu eliminieren. Leider blieben die zur Verfahrensweise aus den Reihen des Ausschusses und vom Kulturbeiratsvorsitzenden Dr. Eberhardt geäußerten Bedenken unberücksichtigt. Ausdrücklich bedanken möchte ich mich bei Grünen, ödp und PaL, dass diese sich ebenso wie wir klar gegen dieses Vorgehen ausgesprochen haben.“

Entgegen der Mahnungen im Vorfeld, die zuletzt von LINKEN-Stadtrat Josef Ilsanker am Montag im Haushaltsplenum vorgebracht wurden, habe der Kulturausschuss nun beschlossen, die Angelegenheit erst einmal zu begraben. „Wir halten die Art und Weise, wie mit der Causa Matheis und Watzlik umgegangen wurde, für einen folgenreichen Fehler“, so Neubert. Er gibt zu bedenken: „Wenn durch das Anbringen der Schilder noch einmal explizit herausgestellt wird, dass es sich bei den Namensgebern um überzeugte Nationalsozialisten handelt, dann darf sich am Ende niemand wundern, wenn irgendwelche Spinner diese Orte als neue Gedenkstätten für sich entdecken und dort Blumen niederlegen.“

Stadtrat Ilsanker erklärt: „Nach Jahren der öffentlichen Debatte und eines intransparenten Vorgehens seitens der Stadt werden die Namen Matheis, der 1933 in die SA eintrat und auch nach 1945 der Blut- und Boden-Ideologie anhing, und Watzlik, dessen Werke in großen Teilen zum Beispiel in Österreich auf dem Index stehen, weiterhin den öffentlichen Raum dominieren, indem sie auch zukünftig auf Briefköpfen oder in Navis zu finden bleiben. Wie viel Nazi muss man eigentlich noch sein, dass einem diese Ehre nicht mehr zuteil wird?“

Neubert verweist darauf, dass in der „Causa Matheis“ die Fakten seit Langem auf dem Tisch lägen. Dafür reichten alleine schon die von Hans Göttler in seinem Buch „Max Matheis und die tiefbraunen Flecken auf seiner weißblauen Heimatweste“ dokumentierten Werke und weitere durch Göttler ans Tageslicht beförderte Fakten. „Wir bleiben dabei: Die Umbenennung der Max-Matheis-Straße, zum Beispiel in Kurt-Eisner-Straße, ist schon lange unumgänglich. In der neu benannten Straße könnte dann ein Hinweisschild angebracht werden, auf dem erläutert wird, wie die Straße früher hieß und warum sie umbenannt wurde.“ DIE LINKE fordert zudem, dass die Studien und Gutachten, die seit längerem vorliegen, endlich transparent und der Öffentlichkeit leicht zugänglich gemacht werden. Ebenso müsse ein öffentliches Archiv eingerichtet werden, in dem weitere Arbeiten und Recherchen zu dieser Thematik, beispielsweise jene von Göttler, gesammelt werden.