Politischer Aschermittwoch 2026 in Passau
Was für ein Tag! Bei kühlen Temperaturen, aber strahlendem Sonnenschein versammelten sich Parteimitglieder, Sympathisant*innen und Gäste im Kulturgästehaus Kellberg zum Politischen Aschermittwoch.
Die Veranstaltungshalle ist nun - sehr zur Freude der Linken - wieder in kommunaler Hand. Mitglieder des Kreisverbandes der Linken in Passau hatten schon am Vortag die Halle hergerichtet und versorgten die Anwesenden mit Getränken, Kaffee, Brezn und veganem Leberkäse.
Nika Kolitz über Schwangerschaftsabbrüche und überhöhte Mieten
Pünktlich um 10:30 Uhr ging es los. Die Veranstaltung eröffnete Nika Kolitz, Kreisvorsitzende und OB-Kandidatin der Linken in Passau. In ihrer Rede betonte sie, dass nach 18 Jahren Stillstand im Rathaus endlich Zeit für mutige Veränderungen sei. Insbesondere prangerte sie an, dass sich von den meisten anderen männlichen OB-Kandidaten niemand zum Thema Schwangerschaftsabbrüche am städtischen Klinikum geäußert hat. Angesichts der Versorgungslücke und langen Reisezeiten stelle sich die Frage, ob ihnen die medizinische Versorgung und die Belange der Hälfte der Bevölkerung egal sei. “Könnten cis-Männer schwanger sein, gäb's Abtreibungen im Sportverein” konstatierte Kolitz. Beim Fußball könne man schließlich sehen, wie die Männer sich mit Schmerzensschreien auf dem Boden wälzten, während Frauen gleich wieder aufsprängen. Eine ungewollte Schwangerschaft würden Männer daher nie über sich ergehen lassen.
Auch dreiste Vermieter bekamen ihr Fett weg. Es könne nicht angehen, dass Mieter*innen einen immer größeren Anteil ihres Einkommens für Mieten aufwenden müssten, weil dreiste Vermieter die Mieten immer weiter erhöhen. Seehofer sagte einmal, Bayern sei die Vorstufe zum Paradies. Doch wir alle wissen ja, dass es eigentlich das Fegefeuer ist. Genau dahin will Kolitz dreiste Vermieter schicken.
Luke Hoß spricht über Absurditäten der Bundesregierung
Anschließend redete Luke Hoß über die Absurditäten der Bundesregierung. Angesichts der vielen Vorschläge von Merz, Arbeitnehmer*innen länger arbeiten zu lassen, meinte Hoß, dass das Projekt, mit dem Merz am wenigsten Schaden angerichtet hat, seine Frisörrechnung für 30.000€ sei. “Trotzdem kann es keine langfristige Strategie für uns sein, dass wir Steuerzahler*innen unserem Bundeskanzler die Kosmetik bezahlen müssen, damit er wenigstens in der Zeit nicht auf weitere dumme Vorschläge kommt, wie er die Arbeiter*innen länger arbeiten lassen und die Rentner*innen aus der Rente holen kann”. An Merz' Regierung sehe man, warum Arbeiten im Alter keine gute Idee sei.
Auch an der Verteidigungspolitik ließ Hoß kein gutes Haar. Boris Pistorius, der nicht einmal erklären könne, was ein Instagram-Reel ist, will nun in einem Losverfahren Wehrpflichtige auslosen. Das erinnerte Hoß eher an Hunger Games als an seriöse Politik.
Janine Wissler rechnet mit arbeitnehmerfeindlichen Forderungen ab
Gleich zu Beginn ihrer Rede lobte Janine Wissler die Passauer Linken-Politiker*innen. Mit Nika Kolitz habe Die Linke in Passau eine ausgezeichnete Kandidatin, mit der an Passaus Spitze erstmals eine Frau stehen könnte. Wissler hatte extra nachgeschaut und betonte, dass seit 1368 nur Männer Bürgermeister der Stadt waren. Mit Luke Hoß habe Passau endlich einen hervorragenden Bundestagsabgeordneten, was nach Andreas Scheuer eine Erfrischung sei.
Im weiteren Verlauf ihrer Rede zerlegte Wissler die Forderungen aus der Union und von Arbeitgeberseite nach immer weiteren Kahlschlägen im Bereich Arbeitnehmer*innenrechte und Sozialstaat. Es zeige sich deutlich, das Merz und Co überhaupt keine Ahnung von der Lebensrealität der Menschen hätten, wenn sie immer mehr und längere Arbeit forderten.
Bodo Ramelow fordert Umverteilung
Den religiösen Aspekt des Aschermittwochs unterstrich Bodo Ramelow, der in seiner Rede die Bibel zitierte und ihr linkes Gedankengut attestierte. Umso mehr wunderte er sich darüber, dass einige Landesverfassungsschutzämter gegenüber der Linken so kritisch eingestellt seien.
Es sei nur vernünftig, die Umverteilung von unten nach oben - sei es durch Spekulationsgewinne oder die Marktmacht von Supermarktbesitzern wie Dieter Schwarz - zu beenden und für eine faire Vermögensverteilung zu kämpfen. Ein Mittel dafür sei die Erbschaftssteuer. “Die Erbschaftssteuer dient auch dem Zwecke, die Ansammlung von Riesenvermögen in den Händen einzelner zu verhindern.” Das haben jedoch weder Heidi Reichinnek noch Jan van Aken gesagt - sondern so stehe es in der bayerischen Verfassung.
Ein gelungener Aschermittwoch
Insgesamt waren die Veranstalter von der Linken zufrieden. Bei guter Musik, gespielt vom Baby Palace Duo aus Straubing, und gutem Essen kamen alle Anwesenden auf ihre Kosten.
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